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Tagebuch des allerersten Urlaubs

veröffentlicht um 10.07.2011, 09:05 von Peter Karas   [ aktualisiert: 17.07.2011, 01:31 ]
Tja, am 30. Juni war es soweit: Mama und Papa packten geschätzte 5/8 des gesamten Hausrats zusammen, schrumpften diesen irgendwie auf Autogröße, und legten mich da noch hinein. "Urlaub" haben sie das genannt. Naja, ich hab mir gedacht, schauen wir halt mal, was da so auf mich zukommt. Eigentlich ist es daheim ja wirklich schön, was sollen wir da so einen Aufwand betreiben, und woanders hinfahren? Noch dazu, wo Mama und Papa zwar sehr viel eingepackt haben, aber von meinem Spielzeug doch mehr als die Hälfte nicht mit durfte.

Aber neugierig, wie ich nun einmal bin, habe ich die Tortur auf mich genommen, und ein Ein-stunden-auto-schlaferl gehalten, und schon waren wir in einer anderen Welt: in Illmitz, im Seewinkel. Das Zimmer war schnell bezogen (warum braucht der Papa eigentlich so lange, um das Auto zu bepacken, aber ausgepackt ist das so schnell?) und von mir auf Herz und Nieren geprüft. Ergebnis: 1A - da bleib'ma! 

Kaum wirklich angekommen und den Boden hier auf seine Spieleigenschaften geprüft, da kam schon die Mama und hat mich "z'sammpackt", damit wir was Gutes essen gehen. Eigentlich gehen ja Mama und Papa essen, meine kulinarischen Ausflüge beschränken sich nach wie vor auf kleine Glaserln, die daheim gegessen werden. Auf alle Fälle waren Mama und Papa nicht besonders kreativ, weil wo sind sie an unserem ersten Urlaubstag in Illmitz hingegangen? Zum Illmitzer. 

Im Illmitzer


Tag 1

Am zweiten Tag war das Wetter ein wenig durchwachsen. Nicht so schlimm, nach ausgiebigen Frühstück und ein wenig spielen haben wir uns aufgemacht, zu Fuß zum See zu gehen. Ich fand es recht angenehm, Mama und Papa nicht ganz so: von den mehr als 4 Kilometer in eine Richtung wollte ich "angeblich" mehr als die Hälfte getragen werden (meint zumindest Papa, aber der übertreibt immer). Den Rest des Weges haben mir meine beiden Lieblingseltern dann immer und immer wieder das selbe Lied vorgesungen. Mama meinte, dass deswegen keine Leute am Strand waren, aber mir hats gefallen! 

Irgendwo unterwegs gibt es einen Hochstand, von dem aus man die Graugänse, Trappen, Störche und alle anderen Tiere des Seewinkels sehen kann. Das war ein wirklich toller Ausblick!



Tag 2

Heute war das Wetter nicht schön genug, um an den See zu fahren. Deswegen haben wir im Familienrat entschieden, mal meine Schwimmsachen einzuweihen, deswegen waren wir in der Therme! Die war nur 10 Minuten weit weg, da ist sich nicht einmal ein Schläfchen im Auto ausgegangen. Auf jeden Fall waren in der Therme viele andere Leute, da hab ich ganz viel zu schauen gehabt. 


Tag 3

Das Wetter war noch immer nicht besser. Spazierengehen war irgendwie langweilig, also haben wir uns ein wenig weiter in den Süden aufgemacht: nach Pamhagen. Da ist ein Steppenzoo mit allen Tieren, die in der pannonischen Gegend vorkommen. Mangalitza Schweine, Wollschweine, Schafe, Ziegen, Esel - einfach toll. Am lustigsten waren die Schweine, die hatten ein paar Ferkel, und die waren laut und sind herumgezischt. Wenn Papa mich nicht irgendwann weggerissen hätte, würden wir jetzt noch dort sitzen und den lustigen Schweinen zuschauen!


Tag 4

Noch immer schlechtes Wetter. Ein anderer Ausflug in der Gegend von Illmitz, aber es war spazieren - fand ich - weil aus dem Wagerl und über die Schultern schaut alles gleich aus. Mama und Papa waren froh, weil die beiden meinten, ich brauche eine Pause, um das bisher Erlebte zu verarbeiten. Ich glaube aber eher, die beiden brauchten eine Pause. Leider konnte ich ihnen das noch nicht sagen, so war ich ihnen ausgeliefert, und wir haben Illmitz unsicher gemacht.


Tag 5

Fünfter Tag im Urlaub, und was soll ich sagen: schon wieder schlechtes Wetter. Zumindest "Nicht-Bade" - Wetter. Aber ein ideales Wetter für: einen Ausflug. Diesmal sind wir auf große Tour gegangen. Auf eine Schiffsreise - mein erstes Mal auf hoher See - auf hoher Neusiedlersee genauer gesagt. Mit dem Schiff ging es von Illmitz nach Mörbisch. Am schönsten war besagte Schifffahrt, Mörbisch hatte eigentlich nur Regen zu bieten - da sind wir dann recht schnell wieder heimgekehrt. Aber an die Fahrt auf der Fähre werde ich mich noch lange erinnern (weil Mama und Papa mir dauernd davon erzählen werden).

Tag 6 - Tag 14

Endlich! Es war schön genug für den ersten Tag im Bad! Wie lange habe ich dafür in der Badewanne trainiert. Mama und Papa haben extra für den Strand ein Zelt gekauft, damit ich meinen privaten Spielplatz habe, ich hatte mein Sonnen - UV - Gewand und meinen Schwimmanzug - dem Spaß stand nichts mehr im Wege! Am ersten Tag war das Wasser noch ein wenig kalt (18 Grad), aber reingetraut hab ich mich schon. Es war allerdings schon eine Überwindung, sodass ich danach gleich wieder ein Schläfchen eingelegt habe...

Aber am zweiten Tag war es wirklich schon lustig. Das Wasser hatte 21 Grad, und da habe ich dann mit Papa meinen Schwimmreifen aufgeblasen, und dann gings ab in den See:


Am Anfang ruhig: 

Schwimmen


Dann auch schon mal ganz schön wild:

Schwimmen




und nachher war ich immer ganz schön müde!

Und ein bisserl zum Spielen bin ich auch gekommen:


So sind die Tage am See eigentlich alle viel zu schnell vergangen!
Auf alle Fälle waren die Tage am See ganz schön schön - das können wir ruhig öfter machen! Und ganz generell, der Urlaub war super! Und das Wichtigste war: es war der erste Urlaub als Familie!


Die Zusammenfassung - Das Trainingslager
Der Urlaub war eine wunderschöne, intensive Zeit, und Opa meinte gerade, für mich wäre er ein "Trainingslager" gewesen - also eine intensive, kurze Zeit, in der ich viel gelernt habe. Und es stimmt. Ich hab mal versucht, eine Liste zusammen zu stellen, was ich alles gelernt habe:

1. Die Erkenntnis, nur einen Kopf grösser zu sein als ein durchschnittliches Heurigenbankerl (72 cm nach letzter Messung)

2. Die Errungenschaft, frei zu sitzen: ein wichtiger Ausgangspunkt, um sich von all den mühseligen Anstrengungen zu erholen, allerdings nicht so erholsam wie liegen :-)

3. Das Aufstehen aus dem Sitzen: aufstehen ist der erste Schritt in Richtung erwachsener Fortbewegung, und was noch besser ist: es bringt meine Eltern zur Verzweiflung, weil ich mich jetzt schon überall aufrichte, dabei einiges von Tischen, Kästen usw. abräume. Mama wird bei jedem Mal, das ich aufstehe, um einen Tag älter.

4. Die Erkenntnis, das Schwimmen mit Hilfsmittel Spaß macht: schwierig zu bewerten, da es wirklich VIIIIIEEEEL Spaß macht. 

5. Blas-Bussis: Mama und Papa mögen es offensichtlich sehr, wenn ich meine Lippen auf ihre Arme oder Beine presse, und dann ganz viel Luft durchblase, damit meine Lippen flattern und die beiden gekitztelt werden - das macht Spaß.

6. Auf Sachen herumklopfen: ich muß nicht alles in den Mund stecken, um herauszufinden, ob es hart oder weich, haarig oder glitschig ist. Ich kann darauf herumhauen - gibt auch einige Informationen. In den Mund stecke ich mir die Dinge aber trotzdem noch, nur um sicher zu gehen.

7. Erdbeben spielen: so furchtbar ein Erdbeben auch ist, mit dem Papa Erdbeben spielen ist sehr lustig. Dazu legt er mich in ein Bett, und dann wackelt er. Da gibt es kein halten mehr, bis Mama mich aus dem "Katastrophengebiet" "rettet".

Erdbeben



8. Singen beim Hoppa-reiter: Wenn Ich bei Papa auf dem Schoss sitze, und er wackelt mit den Knien, dann ist das so lustig, da muss ich singen. Und dieses Singen macht so viel Spaß, dass ich das jetzt fast immer mache: beim Stiegen-steigen, beim Wagerl-fahren über holprige Straßen, einfach überall halt!

Hoppa-Reiter


9. Autos/Motorräder/LKWs/Traktoren: kurz alles, was krach macht und sich bewegt. Das macht so einen Spaß zuzuschauen, und zu beobachten - wie konnte ich das nur in den letzten 8 Monaten nicht bemerken?

10. Das Highlight: Das Krabbeln: das eröffnet mir die Welt komplett neu. Bisher musste ich, wenn ich etwas will, hoffen, daß jemand es mir gibt. Aber jetzt: ich hol es mir einfach! Ich kann alles holen, angreifen, abschlabbern und nehmen, das ich will. Zwar sind auch die Gefahren exponentiell gestiegen, aber Angst habe ich keine (ich glaube, die ist irgendwie magisch auf meine Eltern übergegangen, die fürchten sich nämlich ganz schön)! Und Mama hat den ersten Krabbelausflug auch noch aufgenommen!

Krabbeln



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